Historie

2006 feierte der Zweckverband zur Abwasserbeseitigung am Tegernsee sein 50 jähriges.

50 Jahre - Abwasserzweckverband Tegernsee

Am 07.09.2006 jährte sich beim Zweckverband zur Abwasserbeseitigung am Tegernsee die Gründung zum 50. Mal.

Durch die steigende Bevölkerungszahl und dem florierenden Tourismus rund um den Tegernsee nahm die Verschmutzung des Tegernsees in Mitte der 50er Jahren ein Ausmaß an, das dringend Handlungsbedarf weckte. So war zu dieser Zeit Stand der Technik, dass die flüssigen Abfallstoffe aus Haushalt und Gewerbe über einfache Absetzgruben dem Grund- bzw. Oberflächenwasser zugeführt wurden. Die Inhaltsstoffe der Absetzgruben wurden durch den sog. „Laterer“ auf den umliegenden Feldern als Düngemittel aufgebracht. Die Zunahme von Nährstoffen aus den eingeleiteten Abwässern hatte eine Überentwicklung von Algen zur Folge und das biologische Gleichgewicht des Tegernsees wurde zerstört. Besonders auffällig war zu dieser Zeit die Rotfärbung des Wassers an manchen Stellen des Sees, hervorgerufen durch die Burgunderblutalge (Oscillatoria rubescens). Die Verunreinigung des Tegernsees war bereits so weit fortgeschritten, dass mit einem Badeverbot gerechnet werden musste.

Entgegen der ursprünglichen Absicht einzelner Gemeinden, ihre bestehenden, völlig unzureichenden Abwasseranlagen auszubauen und zu modernisieren, kam man zu der Überzeugung, dass es rationeller und wirtschaftlicher war, eine gemeinsame Kanalisation mit einer zentralen Kläranlage zu errichten. Nach längeren und zum Teil schwierigen Verhandlungen schlossen sich die fünf Anliegergemeinden des Tegernsees am 07.09.1956 im Hotel Guggemos in Tegernsee zum einem Zweckverband zusammen, um gemeinsam die dringende Aufgabe der Abwasserbeseitigung zu lösen.
Die wichtigste Aufgabe wurde in § 3 Abs. 1 der Verbandssatzung festgeschrieben: „Der Zweckverband hat die Aufgabe, im Bereich seiner Mitglieder eine Abwasserbeseitigungs- und Reinigungsanlage (Ringkanal und Sammelkläranlage) zu errichten, zu betreiben und zu unterhalten.“ Im Oktober 2003 erhielt der Verband eine weitere Aufgabe zugeteilt. Die Mitgliedsgemeinden übertrugen die technische Betreuung die Ortsnetze ihres Schmutzwasserkanals auf den Zweckverband. Dies gewährleistet eine sachkundige und einheitliche Durchführung der anstehenden Sanierungen der gemeindlichen Schmutzwasserkanäle.

Im Winter 1957/1958 wurde mit den Kanalbauarbeiten des Verbandssammlers dem sog. „Ringkanal“ begonnen. War ursprünglich ein geschlossener Ringkanal um den Tegernsee geplant, wurde jedoch bei der Bauausführung die „Gabellösung“ verwirklicht und ein Ost- und Westsammler gebaut. Der Ostsammler beginnt in Weissach in der Straßenkreuzung B307 / B318, verläuft anfänglich in Richtung Bad Wiessee, dann über die Aribo- und Kobellstraße an das Seeufer, weiter um die Egerner Bucht herum nach Tegernsee, St. Quirin und nach Gmund. Dort unterquert er die Mangfall und mündet in den Westsammler der vom Ringseeweg beginnend die Abwässer von einem kleinen Teil der Gemeinde Kreuth, von ganz Bad Wiessee und ab Bayersäge von Teilen der Gemeinde Gmund aufnimmt und diese ins zentrale Klärwerk im Louisenthal befördert. Um das notwendige Fließgefälle zu erzeugen, sind im Verbandssammler 6 Hebe- und 5 Pumpwerke vorhanden, deren Gesamtförderhöhe 57,5 m beträgt. Die Bauarbeiten des gesamten Projektes wurden mit der Fertigstellung des Klärwerkes Ende des Jahres 1965 nach 8 jähriger Bauzeit abgeschlossen.

In den 50er und 60er Jahren hatten die Talgemeinden ein Investitionsvolumen von 42 Mio. DM für die Abwasserbeseitigung aufzubringen. Davon entfielen auf die Ortskanäle 24,8 Mio. DM, auf den Verbandssammler 9,9 Mio. DM und auf die Verbandskläranlage 7,3 Mio. DM. Aus Bundes- und Staatsmittel erhielten sie für das Projekt einen Zuschuss von 16,8 Mio. DM. Der fortschreitende Stand der Technik und die ständig steigenden Umweltanforderungen machen immer wieder neue Investitionen notwendig. Seit Erstellung der Kläranlage wurden hier allein drei Sanierungs- bzw. Anpassungsmaßnahmen vorgenommen. Die dafür aufgewendeten Kosten beliefen sich auf nochmals 35 Mio. DM.

Der Zweckverband reinigt und beseitigt die Abwässer von z. Zt. 25.300 Einwohnern, 280.000 Gästen im Jahresdurchschnitt, einer Brauerei und zwei Papierfabriken. Die Jahresschmutzwassermenge beträgt 3,6 Mio. m³/a. Neben der Kläranlage sind ein Schmutzwasserkanalnetz von 190 km, (Verbandssammler 24 km, Ortskanäle 166 km) mit 22 Pump-, Hebe- und Dükerbauwerken zu betreiben und zu unterhalten. Zur ordnungsgemäßen Erfüllung seiner Aufgaben beschäftigt der Zweckverband z. Zt. 15 Mitarbeiter.

Das Abwasserprojekt Tegernseer Tal war mindestens europaweit das erste seiner Art. Die Verbandsanlagen wurden seit der Inbetriebnahme 1966 von Gästen aus aller Welt wegen ihres Modellcharakters zur Seenreinhaltung gerne zur Information besucht.

Das Ergebnis eines für damalige Zeiten mutigen und weitschauenden Entschlusses der Gemeinden des Tegernseer Tales kann sich auch heute noch weltweit sehen lassen. Ein See wurde so auf natürliche Weise am Leben erhalten und für die Zeit und Nachwelt in seiner Ökologie bewahrt.

Rainmühle 30, D-83703 Gmund am Tegernsee, Tel.: 08022-18799-0, Fax: 08022-18799-118
Öffnungszeiten: Mo-Do: 8:00-12:00 / 13:00-16:00, Fr: 8:00-12:00